
Zu Berlin-lastig - Ich weiß gar nicht, warum dieses Buch überall so abgefeiert wird. Denn dem Titel ~Fans un Hooligans in der DDR~ wird es nicht gerecht. Es hätte viel mehr heißen müssen ~Fans und Hooligans in Ostberlin~. Denn fast nur Union und der BFC bestimmen den Inhalt. Dieser ist freilich gut. Wer aber bereits die Bücher über den BFC und den 1. FC Union der beiden Autoren bzw. das Buch Die dritte Halbzeit - Hooligans in Berlin-Ost kennt, erfährt nicht viel Neues. Die meisten der Storys sind schon irgendwo bekannt, die Interviews mit den Beteiligten irgendwann langweilig (da einander zu ähnlich). Hier hätten sich die Autoren mal über Stadtgrenzen hinweg bewegen sollen. Denn auch z.B. in Dresden, Leipzig, Magdeburg, Erfurt, Rostock oder Brandenburg gibt s bestimmt genügend Veteranen, die etwas zu erzählen haben. Diese Mühen wurden aber gescheut. Schade, denn ein Buch mit wahrlich guten Ansätzen bleibt so ein Buch der verschenkten Möglichkeiten. Wer die Szene der DDR nicht kennt und bisher auch keine Literatur darüber gelesen hat, dem sei ~Stadionpartisanen~ vorbehaltlos ans Herz gelegt.
Referenzbuch - Stilistisch sowie inhaltlich das Referenzbuch über Fußballfans in der DDR,erfreuliche Erscheinung im ansonsten reißerisch oder soziologisch belasteten Genres der Fußballfan/Hooliganbücher.Als langjähriger DDR-Oberliga Stadionbesucher kann ich dem Buch absolute Glaubwürdigkeit bescheinigen.Einzige Einschränkung:Stadionpartisanen läßt in den Interviews nur Fans vom 1.FC Union und BFC Dynamo zu Worte kommen,(zweifelsohne gehören sie zu den aktivsten und berüchtigsten Fans im Osten)Trost:Lok Leipzig sowie Dynamo Dresden Fans werden in zwei,auch sehr empfehlenswerten Büchern näher beleuchtet,so daß alle relevanten Fangruppen aus der DDR mittlerweile ihren Platz in den Bibliotheken gefunden haben.
Fans und Hooligans in der DDR - Inhalt: Union Berlin-Fans und BFC-Fans erzählen detailliert über ihr teils sehr radikales Fanleben zur DDR-Zeit. Sie gehörten oder gehören allesamt zum harten Kern. Die Stasi nannte sie negativ feindlicher, oder. negativ dekadenter Anhang. Unbeschreibliche Schlägereien, Schalruppereien, Blockstürmungen, Knastgeschichten, Stasiverwicklungen, Abenteuer bei Auswärtsfahrten. Auch 4 Frauen berichten von ihren Fan-Erlebnissen. Des weiteren berichten 2 Exstasileute und ein Ex-Volkspolizeioffizier aus ihrer Sicht über Gewalt und Fußball in der DDR. Auch ehemalige FDJ-Funktionäre sowie sonstige Clubfunktionäre kommen zu Wort. Dazu DDR-Journalisten, ein Fotograf, Ex-Schiri Kirschen, Jürgen Bogs und Günther Mieles. Das Buch ist in einem gut zu lesenden prosaischen Stil geschrieben. Die Autoren unterlassen jede kleinkarierte Wertung. Sie überlassen es den Protagonisten aus Fanlager und Sicherheit/Funktionärsebene über die Zeit zu berichten. Der Soziologe Wolfgang Engler hat ein Thesenpapier zu Privater Gewalt als politischen Akt beigesteuert. Aber keine Angst, es ist alles leicht und locker für den Normalkonsumenten zu lesen.Ein Muß für alle die dabei waren, für sogenannte Hooligans, Ultras und Hobbysporthistoriker. Mit etlichen Fotos aus Fanarchiven und vom Fotograf Harald Hauswald, auch diverse bisher ungesehene Fotos aus Stasiarchiven. Ein Klassebuch, dass ausführlich und ohne Vorurteile über eine wilde Zeit berichtet.Weiteres Plus: Fester Einband, fällt also nicht gleich auseinander.