Fußball-Sport : Denn wir sind anders. Die Geschichte des Felix S.

Denn wir sind anders. Die Geschichte des Felix S.


Für die Staatsanwaltschaft war er ein genauso brutales, aggressives und unkontrolliertes Subjekt, vor dem die Gesellschaft geschützt werden musste, wie seine Mitangeklagten: Felix S., aktenkundiger Hooligan und hauptberuflicher Türsteher, wurde im August 2000 in einem Aufsehen erregenden Prozess wegen Rauschgifthandels zu viereinhalb Jahren Gefängnis verurteilt. Der Richterspruch war unangemessen streng: Allen Prozessbeobachtern wurde schnell klar, dass hier nicht nur die angeklagte Straftat verhandelt wurde, sondern eine ganze Szene in ihren Grundfesten erschüttert und sogar ausgemerzt werden sollte: Das Ostberliner Hooligan-Kartell, eine Gruppierung von kampfsporterprobten Schlägern, die nicht nur durch ihre Hooligan-Auftritte bei Fußballspielen aufgefallen waren (unter anderen waren sie auch 1998 in Frankreich dabei gewesen, als der Polizist David Nivel zum Krüppel geprügelt wurde), sondern die auch die Türen zahlloser Diskotheken im Berliner Umland bewachten und so den dortigen Drogenhandel kontrollierten. Felix S. -- begeisterter, fast schon manischer Kickboxer, fasziniert von körperlicher Gewalt, beteiligt an zahllosen verabredeten Schlägereien mit rivalisierenden Hooligangangs und jahrelang als Türsteher beschäftigt -- gehörte zweifellos dieser Szene an. Und dennoch war er anders: ein sensibler, intelligenter junger Mann, der am liebsten Bach hörte, Gedichte von Erich Fried las und in Dogma-Filme ging. Er führte ein richtiggehendes Doppelleben -- auf der einen Seite überzeugter Hooligan, der stolz in seinem Tagebuch notierte, wie vielen Diskobesuchern er heute wieder die Rippen gebrochen oder die Zähne eingeschlagen hatte, auf der anderen Seite war er der Quasiintellektuelle, der Psychologie studieren wollte und mit seinen Großeltern über Apartheid diskutierte. Der Journalistin Jana Simon, die in diesem ihrem ersten Buch die traurige Geschichte von Felix Leben erzählt, das einen so unschönen Verlauf nahm und nach nur 30 Jahren jäh endete, gelingt es gut, diese gespaltene Persönlichkeit darzustellen und die Untiefen seines Wesens glaubhaft auszuloten. Sie weiß, wovon sie spricht: Jana Simon war Felix erste große Liebe, sie kannte ihn seit seinem 16. Lebensjahr und traf ihn -- trotz evidenten Auseinanderlebens -- über die Jahre hinweg immer wieder. So kam und blieb sie ihm immer nah und konnte mitverfolgen, wie es so weit kommen konnte mit ihrem Freund, der es als Farbiger schon zu DDR-Zeiten schwer hatte und der sich nach dem Mauerfall seiner Identität beraubt und um seine Vergangenheit betrogen sah. Ihr Bericht ist das nachdenkliche, sensible und äußerst packende Porträt eines Getriebenen, das auch davon handelt, was Entwurzelung und das Gefühl des Andersseins mit einem anstellen können. --Christoph Nettersheim

Felix S. - Dieses Buch hat mich sehr berührt. Ich hab es an einem Tag gelesen und mir kam es so vor, als wuerde ich Felix persönlich kennen. Jana Simon erzählt ueber das Leben ihres Freundes. Eine wahre Geschichte über einen Jungen der dazugehören wollte und es in jeglicher hinsicht schwer hatte. Es wird ein bischen über seine Hooligan - Zeit erzählt.Leider wird dieses Thema nur angerissen. Vermutlich deshalb, weil sie selber nicht wirklich einblich dazu hatte. Dieser Kampf von Felix mit seinem Leben ist wirklich eindrucksvoll beschrieben. Kann dieses Buch jedem empfehlen - dies ist ein Buch fuer jeden. Aus dem Leben gegriffen.

Gute Geschichte, aber.... - Die Geschichte ist schnell erzählt: ein Klein-Krimineller, der als Türsteher, Schläger, Geldeintreiber und Drogen-Dealer sein Geld verdient wird irgendwann geschnappt und eingelocht. Das verkraftet er nicht und erhängt sich in der Zelle.Die Erzählung ist kurzweilig und gibt einen kleinen Einblick in die Szene. Ich habe das Buch an einem Stück durchgelesen, was ich nur bei wirklich spannenden Büchern mache. Es gibt allerdings 2 Knackpunkte, die mir an dem Buch nicht gefallen:Das erste sind die dauernden Einschübe, wo die Autorin den Lebenslauf der Großeltern (des Felix S.) über mehrere Seiten erzählt. Meiner Meinung nach kann man das auf 2-3 Seiten straffen und nicht auf 30 Seiten breittreten. Denn das hat mit der Geschichte an sich nicht viel zu tun.Das zweite: die Autorin ist die Ex-Freundin des Felix S. und leider in der Geschichte nicht neutral, sondern es hat den Anschein, das sie den Klein-Kriminellen oftmals als Opfer darstellt, der keine Chance hatte. Das stimmt allerdings nicht. Er hatte bürgerliche Jobs, die er allerdings alle hinschmiss, da er auf s schnelle Geld aus war und lieber bis mittags schlafen wollte. Ausserdem war er kein Opfer, sondern Täter, der vielen, vielen Menschen Leid und Schmerz zufügte.

ein ehemaliges Modell vom Fotografen Kingdome 19 - Das Buch erzählt von Felix S. - leider sieht man kein einzigesBild von dem attraktiven Kickboxer.Aber er hat auch als Modell für Aktphotographie gearbeitet.Auf dem Titelbild des Bildbandes Arrested von KINGDOME 19sieht man seinen einmaligen Körper. In den anderen BildbändenUniversal und Wicked Dreams sieht man ihn sogar in voller Prachtund hüllenlos. Schade, dass man diese ergreifende Lebensgeschichtenicht mit den Aufnahmen kombiniert hat. Der Widerspruch wärein der Aussage noch grösser geworden und hätte noch mehr Leutedazu gebracht, das Buch zu kaufen...

Innerlich zerrissen... - ...so hieß der Ort, an dem ich war - diese Zeile aus einem Onkelz-Song passt wie keine andere auf den hier rezensierten Roman. Denn wir sind anders ist die Geschichte des Felix S., erzählt von seiner Jugendliebe Jana Simon. Aber auch eine Geschichte über die Generation der Wendekinder. Deren Vergangenheit im real existierenden Sozialismus mit einem Schlag ausradiert wurde. Die weder im Westen noch Osten sich richtig heimisch fühlen. Eine Geschichte über die Suche nach Identität und Anerkennung, aber auch über unzureichende Klischees. Über Gewalt und die Sehnsucht nach einem Zuhause.Denn Felix S. ist eine zwiegespaltene Gestalt. Kickboxer, aktiver BFC-Hooligan, brutaler Türsteher, tief im Milieu verwurzelt, aber auch kulturinteressiert und eine sensible Seele. Einer, der für anderejederzeit ein offenes Ohr hat, jedoch selbst nicht über seine Gefühle sprechen kann. Jemand, der einen Hass auf die Kanacken, die im Westen Berlins die Türen kontrollierten, hatte, aber durch seine südafrikanischen Wurzeln selbst nicht aussah, wie der typische Deutsche. Ein Mensch, der sich außer in Ostberlin nirgendwo so richtig zuhause fühlte. Jana Simon beschreibt die Lebensgeschichte des Felix S., die so voller scheinbarer Widersprüche steckte, mit einer beeindruckenden Auffassungsgabe und geschliffenen Formulierungen. Im Laufe des Romans taucht der Leser immer mehr in Felix Welt ein, immer aus der Sicht seiner Freundin Jana, die ihn seit dem 16.Lebensjahr kannte und nun sein Wirken nachrecherchiert. Ein Freundschaftsdienst lässt den jungen Ostberliner dann endgültig aus der Bahn geraten. 4 1/2 Jahre wegen Rauschgifthandels. Der Knast sollte das letzte bleiben, was er sehen sollte. Mit erst 30 Jahren nahm Felix Leben ein trauriges Ende.Dank der emotionale Nähe, die bei der Autorin zu ihrer Geschichte existiert, entsteht auch beim Leser eine gewisse Vertrautheit, eine imaginäre Verbindung zu der Person Felix S. Der gefühlvolle, aber dennoch kritisch-distanzierte Erzählstil des Romans, der auch einiges über die Vergangenheit von Felix Familie zu berichten weiß, macht Denn wir sind anders zu etwas Besonderem. Wer allerdings Einblicke in die Hooliganszene, wie von manchen erwartet, verspricht, der ist bei diesem Roman Fehl am Platz. Der Bereich wird nur kurz angeschnitten, was die Bewertung zu diesem Buch allerdings nicht schmälert. Es ist jeden Cent wert! Interessant, aufrüttelnd, zum Nachdenken! Prädikat: Sehr wertvoll!

Fesselnde Geschichte, jedoch... - ...wird er als Hooligan und im Rahmen deswegen wohl auch verurteilt. Jedoch wird in dem Buch eher sein Leben als Mitglied der Türsteherszene und immer wieder das Leben seiner Großeltern beschrieben. Auf seine Hooliganaktivitäten wird nur kurzweilig eingegangen.Trotzdem sehr fesselnde und irgendwie auch mitreißende Geschichte über einen Menschen, der zuhören konnte, selber aber wenig erzählte. Der eine Heimat (Berlin hatte), jedoch irgendwie heimatlos war.




Denn wir sind anders. Die Geschichte des Felix S.